Weitere Kollektivstraffen in der Pipeline. Nun auch Buchenegg & Albis im Visier: Warum pauschale Repression den Lärm nicht stoppt – und wie echte Lösungen aussehen
- MotoNuba

- 9. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Es ist das gleiche alte Schema, das wir von Strecken wie dem Gurnigel nur zu gut kennen: Ein paar Unbelehrbare machen Krawall, drehen die Motoren im ersten Gang bis in den Begrenzer und nutzen Kurven als persönliche Rennstrecke. Die Reaktion der Behörden und Anwohner? Der Ruf nach der grossen Keule. Auch am Zürcher Hausberg – an der Buchenegg und am Albis – ist das Fass nun übergelaufen. Die Anwohner fordern Massnahmen, in den Medien rollt die Empörungswelle, und die Politik bringt die gewohnten Reflexe ins Spiel: Tempo-60-Zonen, Schikanen, Lärmblitzer und Überwachungskameras.
Aber bringt diese Kollektivstrafe wirklich die gewünschte Ruhe? Oder drückt sie schlicht den ehrlichen Motorradfahrern den Stempel des Sündenbocks auf, während die eigentlichen Problemfälle einfach auf die nächste Landstrasse ausweichen?
Machen EU-Massnahmen Schule? Vom Gurnigel bis zur Streckensperrung
Der Blick über die Landesgrenzen zeigt, wohin diese Spirale führt: Gerade in Deutschland gehören Wochenend- und Feiertagssperrungen für Motorradfahrer in beliebten Revieren wie der Eifel, dem Schwarzwald oder dem Taunus längst zur bitteren Realität. Auch Österreich greift mit pauschalen Fahrverboten (wie den 95-dB-Limitierungen in Tirol) radikal durch.
Die Schweiz schlägt nun mit einer verhängnisvollen Salami-Taktik denselben Weg ein:
Am Gurnigel wurde mit Tempo 60 auf einer einst attraktiven Motorradstrecke bereits Fakten geschaffen.
Nun stehen Buchenegg und Albis vor ähnlichen Einschränkungen.
Diese Temporeduktionen und Kollektivstrafen sind der erste Schritt auf einem gefährlichen Pfad. Wenn wir diesen Aktionen tatenlos zusehen, stellt sich nicht mehr die Frage, ob, sondern nur noch wie lange es dauert, bis nach EU-Vorbild auch bei uns die ersten Pässe und Strecken komplett für Motorradfahrer gesperrt werden!
Wenn Medien Öl ins Feuer giessen: Hetze statt Journalismus
Besonders sauer stösst dabei auf, wie das Thema medial aufbereitet wird. Ein Kurzvideo des SRF setzt dem Ganzen die Krone auf: Das ist kein differenzierter Journalismus mehr, das ist reine Propaganda und Stimmungsmache gegen eine ganze Gruppe von Menschen. Anstatt sachlich zu informieren, werden Vorurteile geschürt und Töfffahrer pauschal an den Pranger gestellt.

Solche reisserischen Beiträge gehen gar nicht und gehören aufs Schärfste verurteilt. Wer mediale Hetze betreibt, stellt nicht die Wahrheit dar, sondern spaltet die Gesellschaft weiter und verhindert konstruktive Lösungen auf Augenhöhe.
Das Kernproblem: Kollektivstrafe für die vernünftige Mehrheit
Dabei geben es selbst vernünftige Anwohner und Gemeindevertreter im Grunde zu: Es ist eine kleine Minderheit, die für den gewaltigen Krach und die gefährlichen Situationen sorgt. Es sind die sogenannten „Knieschleifer“, die den Pass zwanzig Mal rauf und runter ballern, illegal modifizierte Abgasanlagen fahren oder im Wohngebiet extra nochmals am Gashahn reissen.
Wenn man nun aber Pauschalstrafen wie flächendeckendes Tempo 60, generelle Schikanen oder gar Streckensperrungen durchsetzt, wer wird damit bestraft? Genau jene überwältigende Mehrheit, die sich an alle Regeln hält:
Die Tourenfahrer, die die Landschaft geniessen.
Die Pendler, die einfach nur von A nach B wollen.
Die verkehrskonformen Töfffahrer, die leise und rücksichtsvoll unterwegs sind.
Ein flächendeckendes Tempolimit bremst nicht den rücksichtslosen Rabauken aus. Wer sich heute nicht an Lärmvorschriften oder Tempolimits hält, wird sich auch von einem weiteren Verkehrsschild nicht aufhalten lassen. Die Folge: Das Hobby von Hunderttausenden wird kastriert und die vernünftige Mehrheit wird kollektiv bestraft, während die Poser-Fraktion schlicht auf die nächste Parallelstrecke ausweicht.
Das Ressourcen-Märchen: Woher soll das Polizeipersonal kommen?
Wenn Politik und Anwohner nach «mehr Personalkontrollen» rufen, ignorieren sie die Realität bei den Schweizer Polizeikorps. Um gezielte, rechtssichere Lärm- und Technikprüfungen an Passstrassen durchzuführen, braucht es Spezialausrüstung, technisches Know-how und enormen personellen Aufwand. Bei der aktuellen Belastung und dem bestehenden Personalmangel der Polizeikräfte ist eine dauerhafte Präsenz an jedem sonnigen Wochenende schlicht nicht umsetzbar.
Und genau hier liegt die eigentliche Gefahr: Weil der Staat die nötigen Personalressourcen für gezielte Kontrollen nicht hat (oder nicht bezahlen will), wählt die Politik den Weg des geringsten Widerstands. Ein Schild mit «Tempo 60» aufzustellen oder die Strecke schlicht dichtzumachen, kostet fast nichts und erfordert keine Patrouillen.
Die fehlende Polizeipräsenz wird so durch billige, pauschale Repression ersetzt – und die vernünftige Mehrheit zahlt die Zeche für das strukturelle Versagen.
Was die Politik fordert vs. Was wirklich helfen würde
Anstatt die verkehrspolitische Keule gegen alle Verkehrsteilnehmer zu schwingen, braucht es zielgerichtete, gerechte Massnahmen.
1. Gezielte Kontrolle statt Pauschalverbote
Wer Krawall macht oder sich grob verkehrswidrig verhält, muss erwischt werden. Gezielte Schwerpunktkontrollen der Polizei an den bekannten Hotspots treffen genau die Richtigen. Wer mit manipuliertem Auspuff oder illegalen Umbauten unterwegs ist, gehört aus dem Verkehr gezogen – ohne dass dafür die gesamte Biker-Community in Sippenhaft genommen wird.
2. Technologische Innovationen nutzen
Der Einsatz von Lärmblitzern (Sound Sampler) wird derzeit auf kantonaler und nationaler Ebene diskutiert. Wenn diese Systeme ausgereift sind, bieten sie eine echte Chance: Sie erfassen gezielt Fahrzeuge, die den zulässigen Dezibel-Wert überschreiten. Das schützt Anwohner wirksam vor Lärm, lässt den leisen, gesetzeskonformen Motorradfahrer aber in Ruhe fahren und entlastet zudem das Polizeipersonal.
3. Eigenverantwortung und Kulturwandel in der Szene
Wir als Motorradgemeinschaft müssen uns ehrlich an die eigene Nase fassen. Unnötiges Hin- und Herfahren in Wohngebieten, „Aufreissen“ am Ortsausgang und das Fahren ohne dB-Killer zerstören das Ansehen unseres Hobbys. Es liegt an uns, innerhalb der Community eine klare Haltung zu zeigen: Laut ist OUT.
Fazit: Miteinander statt Gegeneinander
Die Frustration der Anwohner an der Buchenegg, am Albis oder am Gurnigel ist verständlich. Niemand möchte an freien Tagen Dauerlärm vor dem Wohnzimmerfenster ertragen. Doch mediale Hetze, schleichende Streckensperrungen nach EU-Muster und symbolische Pauschalstrafen lösen das Problem nicht. Sie verlagern es nur und schaffen Frust auf allen Seiten.
Es braucht eine faire Verkehrspolitik, die auf Ursachenbekämpfung und selektive Ahndung setzt: Unvernünftige Krawallmacher gezielt belangen, moderne Messtechniken zur Lärmüberwachung zulassen – und die verbleibende Mehrheit der rücksichtsvollen Biker einfach ihr Hobby ausüben lassen.



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