Kastration am Gurnigel: Warum Tempo 60 eine Pauschalstrafe für die Falschen ist – und wie echte Sicherheit aussehen würde
- MotoNuba

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Der Gurnigelpass ist für uns Berner und alle Töff-Begeisterten aus der Region weit mehr als nur ein Stück Asphalt. Er ist Hausstrecke, Treffpunkt und ein Stück Freiheit vor der Haustür. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss. Die flächendeckende Tempobeschränkung auf 60 km/h schlägt hohe Wellen.
Versteht mich nicht falsch: Die Gründe, warum die Behörden hier durchgreifen wollen – die Unfälle, der Lärm, der Druck der Anwohner –, sind absolut verständlich. Niemand will Schwerverletzte oder Dauerlärm. Aber die gewählte Massnahme? Sie ist eine unverhältnismässige Pauschalstrafe für alle, die das Nachsehen für eine rücksichtslose Minderheit bedeutet.
Die Mehrheit badet aus, was wenige einbrocken
Das Problem am Gurnigel sind nicht die erfahrenen Tourenfahrer, die Geniesser oder diejenigen, die sich an die Regeln halten und respektvoll mit Mensch und Natur umgehen. Doch genau diese grosse Mehrheit wird jetzt sprichwörtlich ausgebremst.
Die wirklichen Verursacher des Problems scheren sich meist ohnehin wenig um Schilder. Es sind die, die auf der bisher unlimitierten Passhöhe den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun haben, als im Kreis zu fahren, so schnell wie möglich durch die Kurven zu heizen und auf den Parkplätzen Wheelies und Stoppies zu üben. Dass hier ein Riegel vorgeschoben werden muss, unterschreibe ich sofort. Aber warum muss dafür die gesamte Strecke kastriert werden?
Tempo 60 löst das Problem für Ungeübte nicht
Schauen wir uns die Strecke mal genauer an. Der Gurnigel hat es in sich. Für ungeübte Fahrer oder Leute ohne Ortskenntnisse gibt es einige Kurven, die einen selbst dann eiskalt erwischen können, wenn man die allgemeinen Verkehrsvorschriften strikt einhält.
Was mir bei meinen Beobachtungen extrem auffällt: Vorsignalisationen oder Gefahrenhinweise fehlen an diesen Schlüsselstellen gänzlich. Und genau hier liegt der Denkfehler der Planer: Selbst mit Tempo 60 können genau diese paar Stellen für einen unerfahrenen Piloten brandgefährlich sein, wenn er nicht weiss, was ihn hinter der Kurve erwartet. Ein stumpfes 60er-Schild am Strassenrand erhöht die fahrerische Kompetenz in einer tückischen Hundskurve nicht.
Mein Gegenvorschlag: Sicherheit durch Verstand statt Pauschalverbote
Anstatt die gesamte Passstrasse mit der Giesskanne auf 60 km/h herunterzubremsen, bräuchte es gezielte, smarte Massnahmen:
Gezielte Entschärfung der Gefahrenstellen: Reduktion auf 60 km/h nur an den wirklich gefährlichen Abschnitten.
Warnung statt Verbote: Richtige Vorsignalisationen gefährlicher Kurven, der Einsatz von Rüttelstreifen und klaren Bodenmarkierungen (wie man sie z.B. aus Österreich oder von anderen Pässen zur Spurführung kennt). Das hilft ungeübten Fahrern effektiv.
Konsequente Überwachung: Wer rast, gehört bestraft. Gerne auch mit fixen Radarkästen an den neuralgischen Punkten, um die unbelehrbaren „Rennfahrer“ herauszufiltern.
Ein Blick auf die Passhöhe: Wo Tempo 30 Sinn machen würde
Besonders absurd wird es, wenn man das Ganze im Verhältnis zur Passhöhe anschaut. Dort galt bisher grösstenteils Tempo 80 – an dem Ort, wo sich Fussgänger, Wanderer, parkierende Autos und Töff-Fans begegnen. Eine Temporeduktion genau hier ist absolut sinnvoll.
Ich würde sogar noch weiter gehen: Ich würde eine Tempo-30-Limite auf der Passhöhe aus Respekt gegenüber den Fussgängern absolut begrüssen! Wenn im Gegenzug der Rest des Passes bei Tempo 80 bleibt (mit den erwähnten 60er-Zonen an den echten Gefahrenstellen), hätten wir eine Win-Win-Situation: Maximale Sicherheit dort, wo Menschen zu Fuss unterwegs sind, und weiterhin flüssiger, artgerechter Fahrspass auf der Strecke.
Fazit
Die flächendeckende Einführung von Tempo 60 fühlt sich an wie eine Kollektivbestrafung der Verkehrsplaner einer Handvoll Unbelehrbarer. Sie bestraft die Respektvollen und schützt die Ungeübten durch das Fehlen von Warnhinweisen nicht einmal effektiv.
Es wird Zeit, dass man über massgeschneiderte Lösungen nachdenkt, anstatt eine ganze Töff-Region kollektiv unter Generalverdacht zu stellen.
Bevor die Limite definitiv beschlossen wird, führen die Regionalkonferenz (hier Bern-Mittelland) und der Kanton oft eine Vernehmlassung oder Mitwirkung durch.
Wo: Bei der Regionalkonferenz Bern-Mittelland (RKBM). Aktuell läuft im Rahmen der "Korridorstudie Gantrisch" die Phase, in der Rückmeldungen gesammelt werden.
Wie: Du kannst deine fundierte Meinung und konkrete Gegenvorschläge (wie die Sache mit der Passhöhe oder den Rüttelstreifen) direkt per E-Mail an info@bernmittelland.ch senden oder an den offiziellen Online-Umfragen der Region partizipieren.
Wie seht ihr das? Habt ihr die fehlenden Warnhinweise in den Kurven auch schon bemerkt? Schreibt es mir in die Kommentare!
Dein Motonuba-Team




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