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Klim: Ein Blick hinter die Kulissen von Aufstieg und Fall einer Premium-Marke

1993 fängt alles an: Der Motorradführerschein in der Tasche, das Feuer für Motorradreisen entfacht. Ein Feuer, das bis heute – über 30 Jahre später – ungebrochen brennt. Aus dieser tiefen Leidenschaft entstand 2003 Orange Adventures mit dem Fokus auf Offroad-Reisen. Wer mich kennt, weiß: Ich lebe das, was ich verkaufe. Als meine Freunde 2008 Enduristan gründeten, war sofort klar, dass diese genialen Produkte zu mir gehören wie das Amen in der Kirche. Sie begleiten mich bis heute.


Doch heute möchte ich mit euch über eine andere Marke sprechen. Eine Marke, die ich über ein Jahrzehnt lang wie kaum ein anderer in der Schweiz geprägt habe: Klim.


Nach 12 Jahren als autorisierter Klim-Händler ist es Zeit für eine ehrliche Bilanz über die Verarbeitungsqualität und die Entwicklung eines ehemaligen Branchenprimus.


Bist Du mit Klim zufrieden? Wir nicht mehr!

Der Aufstieg: Als Qualität noch keine Kompromisse kannte

Als ich 2010 über eine Kooperation mit dem damaligen Importeur die ersten Klim-Sachen in die Finger bekam, war die Marke in Europa und der Schweiz komplett unbekannt. Die Preise? Ein absoluter Schock für die damalige Zeit. Doch sobald man die Jacken und Hosen genauer unter die Lupe nahm, wurde klar: Das hier ist das Beste, was der Markt je gesehen hat. In dieser Pre-Polaris-Ära war die Welt noch in Ordnung. Die Qualität war über jeden Zweifel erhaben, robust und kompromisslos.

"Es war eine immense Herausforderung, die Kundschaft von einer völlig unbekannten, sündhaft teuren Marke zu überzeugen. Aber die Qualität sprach für sich."

2012 wurde aus Orange Adventures schließlich MMD Adventures und ich stolzer "Authorized Klim Dealer". Die harte Arbeit trug Früchte: MMD Adventures wuchs, Klim wurde im Premium-Segment zur festen Größe und ich entwickelte mich zu einem der wichtigsten Klim-Händler der Schweiz. Selbst die Corona-Pandemie 2019 konnte uns dank kreativer Kundenberatung nichts anhaben.


Die Wende: Post-Polaris und der pure Größenwahn

Ab 2022 spürte ich als Händler an der Front, dass sich der Wind radikal drehte. Die Muttergesellschaft Polaris übernahm das Ruder und ersetzte passionierte Klim-Leute, die das Produkt lebten, durch eiskalte Buchhalter und Manager. Damit zog ein spürbarer Größenwahn ins Unternehmen ein, der zulasten der Qualität und der Händler ging.


Klim setzte mir als Händler die Pistole auf die Brust: "Wer keine Vorbestellungen macht, fliegt von der Händlerliste!" Eine eiskalte Aussage des Klim Sales-Rep mir gegenüber.


Doch wie sieht die Realität dieser Vorbestellungen aus? Ein finanzielles Desaster. Die Ware für die neue Motorradsaison kam nicht wie bestellt und abgemacht im Frühjahr, sondern erst Ende Oktober – wenn die Saison bereits vorbei ist! Die Folge: Wir verloren 90 % der Aufträge, weil die Kunden völlig zu Recht sagten: "Jetzt brauche ich die Sachen auch nicht mehr." Das Resultat für uns? Wir gingen mit einem Lagerbestand in den Winter, den wir eigentlich im Frühjahr hätten verkaufen sollen. Das "großzügige" Trostpflaster von Klim: Die Rechnung darf man bis Ende des Jahres bezahlen. Ein wirtschaftliches Himmelfahrtskommando als kleiner Fachhändler.


Die Qualitäts-Katastrophe: Fast 100 % Garantiefälle

Schlimmer als der logistische und finanzielle Irrsinn war jedoch der rapide Absturz der Verarbeitungsqualität in den letzten drei Jahren. In der Post-Polaris-Ära mutierten die Produkte nahezu zu 100 % zu Garantiefällen. Was ich da an der Front erleben musste, spottet jeder Beschreibung für ein angebliches Premium-Produkt:

  • Zahnlose Reißverschlüsse: Reißverschlüsse, die im täglichen Gebrauch einfach ihre Zähne verlieren.

  • Abfallende Reflektoren: Ein absolut sicherheitsrelevantes Bauteil! Die Reflektoren lösen sich von der Bekleidung – spätestens dann, wenn der Kunde die "Frechheit" besitzt, sein sündhaft teures Klim-Gewand Mal zu waschen.

  • Undichte Membranen: Eine astronomische Anzahl an undichten Hosen und Jacken in den letzten drei Jahren. Kunden, die im Regen schlichtweg nass wurden.


Der Gipfel: Mercedes-Preise bei Temu-Service

Und genau hier schließt sich der Kreis zum absoluten Kundenschreck: Wer eine Ausrüstung für weit über tausend Franken kauft, erwartet im Ernstfall auch einen entsprechenden Premium-Service. Doch statt mir als Händlern bei dieser Flut an Mängeln den Rücken zu stärken, wurde die Garantieabwicklung komplett digitalisiert und auf den Endkunden abgewälzt.


Die aktuellen Richtlinien besagen: Der Händler darf nicht mehr helfen.

Früher habe ich den Papierkram für meine Kunden erledigt und mich für schnelle Lösungen eingesetzt. Wenn wir konten, haben wir sogar Ersatzkleidung herausgegeben. Heute muss sich der Kunde selbst durch Online-Formulare quälen, Konten erstellen und den Garantieantrag im Alleingang durchboxen.

  • Der Anspruch: High-End-Preise auf Mercedes-Niveau.

  • Die Realität: Ein anonymisierter Abschiebe-Service, der an Billig-Plattformen wie Temu erinnert.


Das fiese Detail: Geduldsprobe beim Garantie-Austausch

Weil Klim inzwischen im starren Größenwahn (so wurde das von Klim gegenüber mir kommuniziert) nur noch das produziert, was von den Händlern vorab blind bestellt wurde, gibt es kaum noch Lagerreserven beim Hersteller. Das bedeutet für dich als Kunden: Selbst wenn Klim deinen Garantieanspruch nach langem Hin und Her anerkennt und dir ein neues Gewand zuspricht, wartest du unter Umständen monatelang auf den Ersatz. Die Produktion ist durchgetaktet, freie Ware gibt es nicht – und deine Motorradsaison zieht derweil ohne dich vorbei.


2025: Der harte Schnitt und der Fokus auf das Bessere

Nachdem wir in den letzten Jahren wegen Klim rund eine Viertel-Million verloren hatten zog ich im 2025 die Reißleine. Die Knebelverträge und der Größenwahn von Klim machten eine Zusammenarbeit unmöglich. Der Hauptgrund war aber moralischer Natur: Ich kann und will nicht mehr hinter Produkten stehen, die qualitativ so massiv abbauen und den Kunden im Regen stehen lassen.

Ich habe Klim aufgegeben. Und das Feld neu bestellt.


Mein neues Qualitäts-Versprechen: Stadler, IXS & Co.

Aus MMD Adventures wurde durch private Veränderungen MotoNuba. Mein Anspruch an die Ausrüstung, die ich euch verkaufe, ist jedoch derselbe geblieben. Deshalb habe ich das Sortiment radikal und konsequent auf echte Qualität umgestellt:

  • Stadler Motorradbekleidung: Mein neuer Fokus im Premium-Bereich. Nach meinem jetzigen Verständnis ist Stadler Klim in Sachen Verarbeitungsqualität, Passform, echter Wasserdichtigkeit – und vor allem beim ehrlichen, schnellen Service – inzwischen deutlich überlegen. Deutsche Handwerkskunst, die hält, was sie verspricht.

  • CKX Helme: Innovative Kopfschützer aus Kanada, die mich vollends überzeugt haben.

  • Die Hostettler-Kooperation (2026): Aus Verhandlungen mit dem Handschuh-Spezialisten Five und den Stiefel-Legenden von Sidi entstand eine großartige Zusammenarbeit mit der Hostettler Sursee AG.

  • IXS Venture-Linie: Bei meinem Besuch in Sursee habe ich die neue IXS Venture-Bekleidung unter die Lupe genommen. Ein absolut überzeugendes Konzept, hervorragend verarbeitet – ab sofort fester Bestandteil im Sortiment.


Fazit: Die Zeiten ändern sich, die Passion bleibt

Wenn Konzerne die Seele und Qualität eines Produkts für die Marge opfern, die Händler ausquetschen und den Service auf den Endkunden abwälzen, muss man Konsequenzen ziehen. Der Abschied von Klim fiel nach 12 Jahren schwer, aber MotoNuba steht für Produkte, bei denen ich euch wieder mit reinem Gewissen in die Augen schauen kann.


Eines hat sich seit 1993 nie geändert: Die unbändige Leidenschaft fürs Motorradfahren und das Reisen.


Passionate since 1993!

To be continued...

 
 
 

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